Gewalt in Filmen aus psychologischer Sicht – Tarantino im Visier – Part II

Der Film spiegelt genau jene Art von staubiger und dreckiger Atmosphäre wieder, die in der sonstigen Cowboy-und-Indianer-Romantik unter den Tisch gekehrt wird. Dabei wird auch die intellektuelle Diskrepanz allein durch Christoph Waltz´ Monologe absolut überspitzt dargestellt und Tarantino verfehlt so durch die innewohnende Spitzfindigkeit auch diese wohl gewollte Grundaussage nicht: Mangelnde Bildung steht der Menschenwürde im Weg.

Im gleichen Maße ist auch die Gewalt in diesem Film mehr als genug eingestreut, an allen Ecken und Enden ist sie eingeflochten – brachial und direkt, unverhohlen. Sein neues Projekt ist unter dem Titel „The Hateful Eight“ angekündigt und soll sich in ähnlichen Gefilden bewegen.
So liest sich Tarantino´s bisheriger Überblick über seine filmischen Hauptprojekte wie ein Sammelsurium an blutrünstigen, bösartigen und gewalt-gesteuerten Filmen:

My Best Friend’s Birthday (1987)
Reservoir Dogs – Wilde Hunde (1992)
Pulp Fiction (1994)
Jackie Brown (1997)
Kill Bill – Volume 1 (2003)
Kill Bill – Volume 2 (2004)
Death Proof – Todsicher (2007)
Inglourious Basterds (2009)
Django Unchained (2012)

An der Regie beteiligte er sich an „Four Rooms“ und „Sin City“. Als Autor verfasste Quentin Tarantino neben den bereits genannten Filmen „True Romance“, „Natural Born Killers“, „Four Rooms“, „From Dusk Till Dawn“, „Curdled“ (auch hier ist die Hauptprotagonistin absolut von Blut fasziniert) und „The Rock“ (in chronologischer Reihenfolge).

Auch als Produzent und leitender Produzent zeigte sich Quentin Tarantino nicht untätig und vor allem gewalt-betonten Inhalte zugetan: „Iron Monkey“, „Grindhouse“, „Hell Ride“, From Dusk Till Dawn 2“, „From Dusk Till Dawn 3“, „Machete“, „God Said ´ha!‘“, „Hostel“ (Tarantino selbst ist ein ziemlicher Protege von Macher Eli Roth), „Hostel 2“, um nur einige zu nennen.

Es könnte, angesichts Quentin Tarantino´s Filmographie, der Gedanke aufkommen, der Filmemacher habe einfach Spaß an Gewalt und sei schlicht ein großer Fan entsprechender Genre-Typen. Natürlich kam dieses Thema vor allem im Rahmen der Films „Django Unchained“ auf und wurde mehrfach angesprochen, heiß diskutiert et cetera. Doch was sieht Tarantino selbst in seinen Filmen, bestimmten Sequenzen und warum scheint Gewalt für ihn ein derart wichtiger Bestandteil zu sein, wenn er seine Ideen bildlich umsetzt? Wie der Drehbuchautor, Regisseur usw selbst sagt, stellt für ihn das Kino an sich einen Ort dar, an dem eine Form von ausgleichender Gerechtigkeit herrschen kann. Selbst, wenn diese in der Realität nicht stattfindet, wäre es doch möglich, eben jener Phantasie nachzuhängen: Was wäre wenn?

Dabei sei nicht nur der Film als solches ein geeignetes Medium, sich Luft zu verschaffen, eine Form der inneren Befriedigung zu finden, wo das reale Leben sie nicht biete. Auch die Literatur etwa könne durch Verbindung von Historie und fiktionaler Ebene selbiges bewerkstelligen.
Dort, wo das reale Leben keine Gerechtigkeit biete, könne sie durch eine Illusion emotional greifbar gemacht werden. Insbesondere Menschen, denen im Leben Gewalt oder Ungerechtigkeit wiederfahren sind, hätten so mitunter ein Ventil.

Dass sich in seinen Filmen die Gewalt oftmals aus einem Rachegedanken heraus ergibt, sei jedoch auch wesentlicher Bestandteil in diesem Film-Genre an sich. Dennoch will sich die Handlung von „Django Unchained“ nicht in erster Linie durch Rache getrieben sehen, sondern erzählt an sich eine Liebesgeschichte: Die zwischen dem Sklaven Django und seine großen Liebe, die er aus der Sklaverei befreien will. Dies erfordert natürlich Opfer, das bringt die Story mit sich.taran back
Wichtig ist Quentin Tarantino dabei auch, dass sich Menschen dieser Zeit mit den Helden vergangener Zeiten und Epochen solidarisch erklären und fühlen können, sich als deren Verbündete sehen. Dabei ginge es ihm nicht schlicht darum, sich auf die Feind- und Heldenbilder seiner jeweiligen Filme festzulegen, wie in „Inglourious Basterds“ auf Nazis und Juden, oder in „Django Unchained“ auf Farbige und Weiße.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s