Götterdämmerung, Part III (Abschluß)

Amythiel erschrak durch das dröhnend-hupende Tröten, das an ihre Ohren drang. „WAAHH! Mach das aus, ist das gräßlich“, brüllte sie gegen den Lärm an. „Bleib geschmeidig, ist nur ´ne U-Bahn“, kringelte sich der Cherub. Der Zug rauschte ebenso schnell vorbei, wie die kommenden Monate, in denen ihr Bauch wuchs und wuchs. Jerry, mit dem sie sich endlich angefreundet hatte, wenn auch anfangs widerwillig, stand ihr bei und führte sie stückchenweise an ihr neues Leben als Erdengängerin heran. Sie war zum Mensch geworden.

Er sollte mit seiner anfänglichen Behauptung von einer gemeinsamen Tochter Gabriels und Amythiels Recht behalten – doch der Werdegang der kleinen Emalaith ging anders von Statten als gedacht. Kurz nach ihrer Geburt verstarb Amythiel. Zumindest augenscheinlich.

Abermals erinnerte sich der Vater an sie und das erste Mal erschuf er einen Erzengel von Neuen und holte Amythiel nach Hause – nach Hause und zu Gabriel. Doch dies ist eine andere Geschichte. Mit ihrem irdischen Dasein schien sich Jerry in Luft aufzulösen, die kleine Emalaith landete bei der Fürsorge und mußte sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlagen.

Gerade vierzehn Lenze alt büxte sie mal wieder aus und schloß sich einigen Obdachlosen an, erneut vollends Feuer und Flamme, auf alles zu scheißen und ihr Leben auf der Straße zu verbringen. Der quirlige Lockenkopf war schon immer aus dem Rahmen gefallen – vielleicht auch einer jener Gründe, warum jeder Start in eine neuen Adoptivfamilie fehlschlug. Aber was konnte die Kleine dafür, daß sie eben anders war? Sie sah… Dinge. Wesen. Anfangs tat wurde es stets als ´Kinderkram´ abgetan, später hielt man Emalaith schlicht für bescheuert. Menschen, nicht alle, verwandelten sich vor ihren Augen zu Bestien, verübten schlimme oder außergewöhnliche Dinge, die tags darauf als unerklärliche Phänomene in der Regenbogenpresse breit geklatscht wurden. Doch immer öfter schritt sie ein – selbstverständlich glaubte ihr niemand und kein Beweis, keine Blutergüsse und ähnliches waren ihrem Umfeld genug. Man belächelte sie.

Doch in all´ den Menschen auf der Straße, vom Rest der Gesellschaft gemieden, fühlte sie sich wohl… Zudem war sie, hm, etwas verknallt, mußte sie zugeben. Oder eher fasziniert und irritiert. Einer jener jungen Männer trat immer wieder in Erscheinung und es schien, als könne sie sein Aussehen steuern: Mal als attraktiver, junger Mann (diese stahlblauen Augen!), mal mit riesigen Schwingen. Es war einfach strange. Stetig suchte sie seine Nähe und eines Tages kamen die beiden tatsächlich ins Gespräch, mal hier, mal da. Doch er blieb geheimnisvoll. Klar endete ihr Ausriß wieder zurück im Heim und so wurde aus dem widerspenstigen Mädchen eine bildhübsche, junge, etwas wilde Frau, die alsbald ihren eigenen Weg ging. Doch jener Mann namens Chris sollte ihr immer wieder begegnen. Aus einer zufällig erscheinenden Bekanntschaft entwickelte sich eine Freundschaft – und was für eine… © Illyria

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