Polen und sein Werdegang – Widerstand hollywood-reif

Eigentlich ist doch schon mal interessant, wenn man seine Nase mal über die Grenzen hinaus steckt und sich wirklich mal mit den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen eines anderen Landes beschäftigt. Nun, die meisten sind damit überfordert, das innerhalb ihres Gebietes zu tun, aber sei´s drum. Vielleicht ist es aber auch einfacher, es woanders zu versuchen – vor der eigenen Tür sieht mal vielleicht doch mal den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Und eigentlich möchte ich ja ganz frech sein und sagen, auch unsere werten Politiker sollten vielleicht mal einen Blick über die Grenzen riskieren und sich eben das Beispiel Polen vornehmen. Warum? Nun, hm…

Wir haben uns einfach mal auf blöd gefragt, wie es eigentlich kommen konnte, daß eine läppische Gewerkschaft es auf die Beine gestellt hat, daß sich die politische Struktur eines Landes beginnt, umzuwälzen und sich nun auf einen gänzlich anderen Trip befindet als noch vor einigen Jahrzehnten. Nun, Gewerkschaften gibt´s fast überall. Schreihälse, die dieses und jenes ändern wollen auch – woran lag es also, daß hier wirklich etwas bewegt werden konnte?

Betrachtet man die Geschichte jener Gewerkschaft, der Solidarnosc und ihres „Chefs“ Lech Walesa, stechen mit etwas zeitlichem Abstand doch einige Punkte heraus: Zum einen wurde nicht nur gefackelt oder gezündelt, sondern auch was getan. Und nicht nur fünf Minuten oder mit der Schnauze am Wirthaustisch. Und erst recht, als die Solidarnosc nicht mehr so durfte wie sie wollte und im Untergrund sozusagen weitermachte, wurde die Ernsthaftigkeit des Vorhabens nach einer neuen Machtstruktur und eines Regimewechsels deutlich.

Protestbewegungen in Polen gab es durchaus bereits vor der Solidarnosc – und auch das macht eines klar: Der Ärger über den IST-Zustand war definitiv gegeben, der Unzufriedenheit Genüge getan. Nun kann man sagen „hm, die haben eben nichts Besseres zu tun gehabt und regen sich halt früher als andre Länder auf“. Wer das aber allen ernstes behauptet, hat den Wert der Recherche und des Lesens nicht so ganz begriffen. Naja, vielleicht, wenn er/sie einen Scheck bekommt.

Polen hatte nämlich irgendwie schon verdammt lang schlicht und ergreifen die Arschkarte.

Es mag lang her sein – aber: Nun denn, ohne zu weit geschichtlich abschweifen zu wollen (wer interessiert ist, im Netz und auch in Buchform soll es viele viele Infos zu Geschichte und auch zur Solidarnosc etc geben – sogar sehr genau) hatte Polen allein Ende bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts drei Teilungen hinter sich. Russland, Preußen und Co schusserten richtig gehend um Danzig usw.

Jeder riß sich drum, Ländereien wurden munter fröhlich aus taktischen Gründen aufgeteilt, wie man es grad so brauchte. Polen hatte das genau eine Aufgabe: Maul halten und nicht aufmucken. Als dies doch passierte und die Widerstandsbewegung wirklich eine Gefahr zu werden drohte, konnte man des „Rädelsführers“ habhaft werden und so waren wir wieder da: Aus die Maus.

Warum ich dies anführe: Ganz einfach, es zeigt, was passieren kann, wenn das Faß zu lange gefüllt wird. In den Köpfen des Volkes ist diese Entmachtung, dieser Entzug der Autonomie, das Verhindern eines eigenen autonomen Staates nie vergessen worden. Selbst wenn das akute Wissen, die Aktualität der damaligen Zeit nicht auf diese Art gegeben war – eigenständig und in seinen Entscheidungen frei war dieses Land, dieser Staat nie. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis ein erneuter, professionell angelegter Widerstand auf fruchtbaren Boden treffen würde.

Nicht mit Gewalt, mit Argumenten. Mit Zielstrebigkeit, Ausdauer und Beharrlichkeit wurde innerhalb Polens ein neues Selbstbewußtsein geweckt – zudem hatte man wohl genug aus der historischen Vergangenheit gelernt, um zu wissen, wie man nichts erreicht – und es richtig angepackt.

Ein Volk läßt sich lange kontrollieren, unterdrücken, ein Satt oder Land ebenso – doch irgendwann platzt der Knoten. Tagtäglich sind solche Dinge zu beobachten, Staaten werden unterworfen, an die Kette gelegt und wie Spielzeug hin und her geworfen. Man nehme allein die Krim-Krise als Beispiel.

Die Sage vom Widerstand ist keine Sage. Offensichtlich scheint es ihn nicht in Hollywood erfolgreich zu geben – und dabei müssen nicht mal unbedingt Köpfe rollen.

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