Italien und seine Vetterl-Wirtschaft

Schon seit geraumer Zeit geistert es immer durch die Medien: Auch Italien muß mal wirtschaftlich irgendwie einen anderen Kurs einschlagen. Sonst schaut´s nämlich düster aus im Land der Mode, der großen Kunstwerke und der wilden Romantik. Florenz und Venedig hin, geniale Strände, lecker Eis und Café her. So, aber an was krank es nun eigentlich, werden sich manche fragen. Das Zauberwort heißt Bruttoinlandsprodukt. Der Einfachheit halber BIP genannt. Bei manchen Ländern möchte man meinen, dies entspräche dem zensierenden „Biep“, ist aber nicht so. Kultur und Moderne – laß ma mal Rom und den Vatikanzeugs weg – man sieht sich gern als DER Inbegriff kultureller Verschmelzung.

Dürfen die Italiener so, aber davon wird niemand satt. Aber zuerst, was ist das BIP? Darunter ist der Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen zu verstehen, die im Inland, innerhalb einer Volkswirtschaft also, in einem Jahr erwirtschaftet werden. Wie bei der Steuer auch werden natürlich dann auch die jeweiligen Vorkosten abgezogen (drum heißt´s ja auch Brutto, Netto gibt´s den Summs auch). Im Unterschied zum Bruttonationaleinkommen dreht es sich hier wirklich nun um Graffl ausm Inland. In diesem Fall werden Produkte und Dienstleistungen aus dem In- und Ausland einbezogen. Interessiert uns aber hier nicht.

Hat man von irgendwas too much gebastelt, nennt sich das Vorratsveränderung. Hochtrabend, aber eigentlich ganz simpel: Hab ich mehr als ich brauch und muß ich´s nicht zwingend wegschmeißen, hab ich einen Vorrat. Das macht dann mehr Vorrat als vorher, also Vorratsveränderung. Vergleicht man es mit einem Pickel, den man gestern noch nicht hatte, wäre das ein Akne-Change. Auf die Art und Weise, klar muß man sich das länger anschauen, denn bei nur einem Jahr hat es sich nichts zum Vergleichen und man weiß nicht, ob man auf Knorkator („zeig mir den Weg nach unten“) oder auf Silvesterböller unterwegs ist.

Klar gibt es da noch verschiedene Varianten, wie man den ganzen Kladderadatsch berechnen kann. Das nominale BIP (ich muß immer noch grinsen) zieht den Ertrag zu Rate mit den echten, aktuellen Marktpreisen – ganz klar, daß hier dann für das BIP eine gewisse Abhängigkeit zur Preisgestaltung stattfindet und daher auch proportional Schwankungen ausgesetzt ist. Auf Deutsch: Sinken die Marktpreise, hat man´s wahrscheinlich grad mit einer Deflation (de – -lateinisch. Nie gut. Steht an sich immer für: Runter. Als Eselsbrücke: De-pression) zu tun. Logischerweise schreit das BIP dann auch nicht „Juhu“ und plätschert in den Keller.

Das reale BIP rechnet sich wie folgt: Alle Dienstleistungen und Zeugs werden zu einem konstanten Preis berechnet (Motto „so hätt ich´s gern“) und dann durch die bittere Wahrheit, das nominale BIP, geteilt. So kommt man auch auf´s Ergebnis. Genug zu Mathe. Aber Thema Steuer und so macht´s nicht witziger. Eigentlich. Nun kommen wir zu einem der ganz großen Paradestücke der Italiener: Schattenwirtschaft nennt sich das böse Kind und ist nix anderes als: Viel Schwarzarbeit, viel Familienbetrieb, nicht so ganz legale Einnahmequellen – und der Staat hat es ewig lang in einem gewissen Maß toleriert. Vieles läßt sich auch nicht so einfach unterbinden, nehmen wir mal die Vetterl-Wirtschaft. Prostitution, Einnahmen aus illegalem Glücksspiel, Schmuggel, Scheinselbständigkeit, illegale Devisentransaktionen etc. sind schlicht zum Teil geduldet worden. Also wie gesagt, im gewissen Rahmen.

Doof nur, daß das nicht so ganz ungestraft bleib, denn diese Einnahmen unterliegen natürlich nicht den gierigen Mäulern des Staates. Soll heißen, gescheit versteuert wird da nix und auch die Sozialversicherungbeiträge u.ä. bleiben auf der Strecke. Gelder, die dem Staat und auch der Wirtschaft selbstredend wieder fehlen. Es gibt´s noch den Kasus Knacksus: So kann die Wirtschaf auf Dauer nicht funzen, weshalb sich diesen Machenschaften vermehrt zugewandt wird. Hier beißt sich die berühmte Katze mal wieder in den Schanz und der Kreislauf geht munter weiter.

Jetzt hat sich die Führungsriege Italiens einige schöne Sächelchen ausgedacht, die auch durchaus sinnig klingen und auch die Staatsverschuldung könnte man so stückchenweise in den Griff bekommen.

Hehe, und nun aber wieder ein… ABER: Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft – zwischen Staat und den „Unternehmern“ dieser Form schien immer irgendwie eine Art Gentlemen´s Agreement zu bestehen. Meinen denn die wirklich, Das Volk schwenkt so einfach davon ab und zieht – vor allem für einen längeren Zeitraum – wirklich richtig mit? Staatsobermufti Renzi will die Kreditvergabe für Unternehmen erleichtern – soll heißen, erstmal müssen die Banken saniert werden, denn die Investitionen, die getätigt wurden, waren nicht unbedingt die schlauesten und so ist einfach nicht mehr viel zum Verleihen da. Der angedachte Kreislauf liegt auf der Hand: Mehr Geld für (neue) Unternehmen ohne erneute Staatsverschuldung auf die Beine stellen, Wirtschaft auf korrigiertem Weg neu ins Rollen bringen.

Schau´n mal, wer gewinnt: Die Tradition oder die neuen und nötigen Umstrukturierungen..

 

 

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